Die Dramatische Bühne – Molière!

13.06.2026 – Darmstadt

Text: Jörg Herbig

DIE DRAMATISCHE BÜHNE aus FRANKFURT AM MAIN tourt von Mai bis Juli 2026 mit ihrem Stück MOLIÈRE! durch verschiedene hessische Städte und gastierte am Wochenende des 13. Juni in Südhessen, in DARMSTADT. Mit der Lebensfreude eines zuvor verspeisten Kuchenstücks in mir fuhr ich mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zum Veranstaltungsort auf der MATHILDENHÖHE.

Eine seifenblasig-leichte, goldene Tischdecke, ausgebreitet auf dem Tisch der Kasse, ahmte den Tanz der Insekten im Juniwind nach, bot so etwas wie ein Vorprogramm, eine Ecke, hochgeflattert, klappte dabei um und erkundete welpen-neugierig, was es auf der Oberseite des Tischs zu entdecken gab.
Die fruchtig-farbenfrohen, teils turmfrisierten Perücken im ersten Akt des Theaterstücks setzten sogleich ein Zeichen und verkündeten durch ihr blumiges Erscheinungsbild ein optisches JETZT GEHT ES LOS! und ein HIER SPIELT DIE MUSIK!, luden, zuckerwattig und fruchtgummischnürig, aber auch fluffig-badeschaumig und garniert mir STEAM PUNK-Streuseln, zum Näherkommen ein, nahmen das Publikum mit auf eine begleitete Phantasiereise ins FRANKREICH vor rund 400 Jahren, unter anderem nach PARIS, um gemeinsam auf den Lebensspuren des Theaterdirektors, Dramatikers und Schauspielers MOLIÈRE (Künstlername) spazierengehend zu wandeln.


Dachte ich während der Aufführung nicht weiter über das zugrundeliegende Drehbuch und die Qualität der Vorträge nach, so betrachte ich dies als einen Beleg dafür, dass es offenbar keinen Anlass dazu gab, ich durfte das Theaterstück einfach erleben und genießen. Ich meine, frei heraus behaupten zu können, dass das melancholisch-humorige Werk und dessen Aufführung vom 13. Juni 2026 mir gut gefielen und es mir Freude bereitete, an jenem Samstagabend als Zuschauer live dabei zu sein.
Das Stück gewährte mir Einblicke in das unstete Künstlerleben eines Theatermenschen, die mich im Anschluss sinnieren ließen, inwieweit neben historischen Überlieferungen auch eigene Theatererfahrungen der Dramatischen Bühne mit ins Drehbuch eingeflossen sein mögen.


Drei Szenen der Aufführung berührten mich besonders und machten mich für den Moment nachdenklich, brannten sich mir ins Gedächtnis ein, eine davon war für mich sogar wie eine Dusche der Erkenntnis und ermöglichte mir einen neuen Blickwinkel. Sie nicht näher zu beschreiben, nehme ich mir an dieser Stelle heraus. Genauso gab es eine Szene, die meinen Humor komplett traf und mich zum Lachen brachte, aber auch sie möchte ich für mich behalten, um mir ihren Zauber noch ein wenig zu bewahren.
Mag sein, dass ich an jenem Abend auf der MATHILDENHÖHE vielleicht nicht so oft wie andere im Publikum laut auflachte, so schmunzelte ich vermutlich doch einige Male über so manchen humorigen Dialog und Auftritt und hing fasziniert an den Lippen der Schauspielenden,
litt mit MADELEINE und MOLIÈRE.


Die Schauspielerin, Bühnenbildnerin und Grafikerin SIMONE GREIß stellte verschiedene Figuren dar, unter anderem die der MADELEINE, einer Bühnenkollegin und wichtigen Weggefährtin Molières.
Der Schauspieler, Regisseur und Texter THORSTEN MORAWIETZ verkörperte die Titel- und Hauptfigur MOLIÈRE, wobei er als Leiter der Dramatischen Bühne und Regisseur des Stücks im Hintergrund vermutlich weitere Aufgaben übernommen und zu stemmen hatte, wie beispielsweise einen Ersatz zu finden für eine an diesem Abend krankheitsbedingt ausgefallene Schauspielerin, die für die Rolle der ARMANDE vorgesehen war (Danke an die eingesprungene Zweitbesetzung und Gute Besserung an die erkrankte Schauspielerin!).


Der Schauspieler und Regisseur JULIAN W. KOENIG übernahm unter anderem die Rolle des LUDWIG XIV., aber spielte auch noch andere Rollen. Erstmals auf der Bühne gesehen beziehungsweise als Schauspieler bewusst wahrgenommen hatte ich JULIAN W. KOENIG im Februar 2013 bei einer Theateraufführung von NACHT DES GRAUENS 2 (DAS WACHSFIGURENKABINETT, SHINING, …).
Die drei anderen Schauspielerinnen, die ebenfalls zum anwesenden Ensemble dazugehörten, vermag ich namentlich nicht zu benennen, wüsste auch nicht, ob ihnen eine öffentliche Namensnennung recht wäre. In den Veranstaltungsinformationen habe ich ihre Namen nicht entdeckt und auch auf der Homepage der Dramatischen Bühne keine Viten von ihnen gefunden (sorry, falls ich es übersehen haben sollte!).


Nichtsdestotrotz waren sie ein wichtiger Bestandteil der Aufführung und stellten ihr schauspielerisches und stimmliches Können zur Verfügung und unter Beweis: ob als bereits erwähnte Ehefrau von MOLIÈRE, ARMANDE, oder als Gauklertruppe in Molières Wandertheater, als Gesellschaft bei Hofe oder als Skelette sowie in weiteren Rollen.
Mit ihren architektonischen Bauten und den künstlerisch gestalteten Flächen und Wegen vermochte die Parkanlage der Darmstädter MATHILDENHÖHE, dem Theaterstück eine hochwertige, nicht alltägliche Kulisse zu bieten. Ein Spiel von Licht und Schatten in der sich neigenden Abendsonne sowie die friedlich-gesellige, entspannt wirkende Stimmung im Park untermalten das Ganze zudem.


THORSTEN MORAWIETZ, in der Rolle des MOLIÈRE, blieb von Anfang bis Ende des Stücks in der Nähe des Publikums, geleitete es von einem (Schau-)Platz zum nächsten, während die restlichen Schauspielenden, bepackt mit großen Tragetaschen, in denen sich vermutlich ihre Kostüme, Perücken, Venezianischen Schnabelmasken und sonstigen Dinge, wie eine STEAM PUNK-Schweißerbrille, befanden, sich unauffällig früher vom jeweiligen Ort des Geschehens entfernten und vorauseilten zum Ort des nachfolgenden Akts, um sich dort rasch umzukleiden und zu positionieren.


Auf diese Weise gelangten wir vom Bereich vor dem HOCHZEITSTURM und dem angrenzenden AUSSTELLUNGSGEBÄUDE unter anderem zum LILIENBECKEN, einem Wasserbecken mit Säulen an der Rückwand, sowie in den sandbodigen PLATANENHAIN, wo gerade Menschen beim Pétanque oder Boccia gezielt Kugeln warfen.
Schließlich ging es für den Schlussakt, Molières Tod, wie bei einem Rundlauf zurück zum – mehr oder weniger – Ausgangspunkt, noch einmal zum bereits erwähnten
AUSSTELLUNGSGEBÄUDE. In der allmählich einsetzenden Abenddämmerung ließen sich dort einige der äußeren Gebäudeelemente, wie eine höhergelegene Balustrade und ein steinernes Treppengeländer, effektvoll als Spukhintergrund einbauen, die Außenfassade sah insgesamt wie eine riesige Bühne und wie für eine Theateraufführung – im Besonderen für den finalen Akt – gemacht aus.


Mit einem minutenlangen, möglichst lauten Applaus und mit Beifallsrufen brachten wir, etwa drei Dutzend Leute, nach dem Ende des letzten Akts unsere Begeisterung und Anerkennung zum Ausdruck.


Die Strecke auf der MATHILDENHÖHE, die wir zurückgelegt hatten, war nicht barrierefrei gewesen, sie beinhaltete Stufen und Treppen.

Text: Jörg Herbig, 63263 Neu-Isenburg, 2026

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