23.06.2026 – Frankfurt / Batschkapp

Nie war ein Konzertname treffender als heute: „Warming-Up Show“. War es draußen vor der Batschkapp schon brutal heiß, wurde es drinnen keinen Deut besser. Nach zehn Minuten in der Halle war so ziemlich jedes Shirt klatschnass – völlig egal, ob mit oder ohne Pogoeinsatz. Nach einer Stunde hatten die Hände die Konsistenz von zu lange gebadeten Rosinen angenommen. Falls die Broilers testen wollten, wie viele Menschen man gleichzeitig in einer finnischen Sauna unterbringen kann, war das Experiment jedenfalls ein voller Erfolg.
Den Opener machten „Drei Meter Feldweg“. Es gibt einfach Bands, die kennt man seit Ewigkeiten vom Namen her, ohne jemals bewusst einen Song gehört zu haben. Genau so ging es mir hier auch. Entsprechend gespannt war ich, was mich erwarten würde. Der erste Song haute mich allerdings mal so gar nicht von den Socken. Irgendwie belanglos. Die darauffolgenden Nummern gefielen mir deutlich besser und ich fragte mich relativ schnell, warum man ausgerechnet dieses Lied als Opener ausgewählt hatte. Insgesamt sprang der Funke bei mir aber nicht wirklich über. Das war mir alles etwas zu sauber, zu glatt und wahrscheinlich genau der Grund, warum mich Bands wie Montreal oder Rogers bislang ebenfalls nie sonderlich interessiert haben. Zur Ehrenrettung der Salzhausener muss man allerdings sagen, dass der Sound an diesem Abend nicht gerade auf ihrer Seite war. Außerdem war ich mit meiner Meinung offensichtlich ziemlich allein. Das Publikum ging ordentlich mit und feierte die Band von Anfang an. Gut so. Dadurch war der Bierstand wenigstens weitgehend für mich reserviert.

Während ich diese Zeilen schreibe, lasse ich im Hintergrund ein Musikvideo der Band laufen. „Wolken im Paradies“ heißt das Stück und als Erstes blickt mir dort tatsächlich Fabian Harloff entgegen. Der Held meiner Kindheit! Zack, direkt ein dicker Pluspunkt. Silvia kam später ebenfalls begeistert aus dem Pit zurück und schwärmte von der Band – meckerte allerdings genauso über den Sound wie ich. Ich werde mich in den nächsten Tagen wohl doch nochmal etwas intensiver mit Drei Meter Feldweg beschäftigen.

Nach gefühlt 73 Anheizer-Songs von „If the Kids Are United“ bis sonst wohin legten dann endlich die Broilers los. Ausgehungert nach einer längeren Konzertpause wirkten dabei nicht nur die Fans, sondern auch die Band selbst. Erstaunlicherweise kannte ich fast jeden Song des Abends, obwohl ich nach „Fackeln im Sturm“ eigentlich ausgestiegen war und mich die Düsseldorfer erst mit „Santa Muerte“ wieder eingefangen hatten. Umso mehr freute ich mich über „Wenn du jetzt denkst“. Sofort waren sie wieder da, die Erinnerungen an längst vergangene Tage.

Was ich allerdings bis heute nicht ganz verstehe, sind Coverversionen bei Bands dieser Größenordnung. Wenn meine kleine Band „Pogo in der Straßenbahn“ spielt, hat das den Sinn, Leute abzuholen, die uns nicht kennen. Die Broilers brauchen das doch eigentlich gar nicht. Die haben mehr als genug eigene Hits im Gepäck. Fand ich auch schon immer bei den Hosen daneben. Vielleicht funktioniert so etwas bei den Stadionkonzerten besonders gut. Keine Ahnung. Ich persönlich brauche eher Songs wie „Tanzt du noch einmal mit mir“ – und wurde glücklicherweise auch entsprechend bedient.

Neben mir stand Marcel, der auf herrlich unterhaltsame Weise permanent etwas zu meckern hatte. Fairerweise muss man sagen, dass er auch gar nicht freiwillig dort war und keine 60 Euro für sein Ticket bezahlt hatte. Seine Geschichten aus alten Tagen, als er gelegentlich mit den Broilers als Support unterwegs war, sorgten jedenfalls für einige Lacher. Auf der anderen Seite stand Stefan, der von Minute zu Minute nasser wurde. Wobei das auf alle Anwesenden zutraf.

Das Mädel und die Jungs auf der Bühne zündeten derweil ein sensationelles Hitfeuerwerk, auf das sich die Besucher der kommenden Stadionkonzerte wirklich freuen können. Die Setlist war bunt durch sämtliche Phasen der Bandgeschichte gemischt und hatte – von den Coverversionen abgesehen – kaum Schwächen. Selbst der obligatorische „traurige Block“ funktionierte hervorragend. Wie Sammy selbst sagte: Der gehört bei einem Broilers-Konzert einfach dazu. „Habt ihr da oben irgendwas vor?“ sorgte dann auch für emotionale Momente. Einer dieser Songs, bei denen man automatisch an Menschen denkt, die nicht mehr da sind. Und genau das machen die Broilers mittlerweile verdammt gut: Erst holen sie einen emotional ab, um einen direkt danach wieder zurück in den Partymodus zu schubsen. Denn gefeiert werden muss das Leben bekanntlich trotzdem – trotz all der Scheiße.

Ich meckere ja bekanntlich lieber, als dass ich positiv schreibe. Aber die Broilers sind mittlerweile schon eine richtig gute Band geworden. Eine, die sich ihren Erfolg über Jahrzehnte hart erarbeitet hat. Und das gönne ich ihnen von Herzen. Küsschen an Stefan für die Mitfahrgelegenheit und die Fotos. Um das hier aber nochmal klarzustellen, der Luftkuss von Ines war selbstverständlich an mich gerichtet 😉 Bis zum nächsten Broilers Clubkonzert, dann aber gerne 2 Grad kühler!


