08.05.2026 – Köln, Luxor

Ein Konzert am Freitagabend in Köln – gute 170 Kilometer entfernt. Okay… die Deutsche Bahn war damit direkt raus. Mit etwas Glück wären wir nach Feierabend gerade noch rechtzeitig zum Ende der Aftershowparty angekommen. Also blieb nur eins: ab ins Auto und alle fünf Minuten nervös aufs Navi schielen, ob sich irgendwo der nächste Stau zusammenbraut. Dass die Parkplatzsuche am Ende fast länger dauern würde als die eigentliche Fahrt, hatten wir allerdings nicht auf dem Zettel. Aber hey – Profis sind eben Profis. Und so standen wir tatsächlich fünf Minuten vor Beginn der Vorband (dazu gleich mehr) im LUXOR. Vorweg: großartiger Laden. Selten so freundliches und gleichzeitig kompetentes Personal erlebt. Da könnten sich einige Locations in Deutschland definitiv mal eine Scheibe abschneiden. Der Club ist bereits ordentlich gefüllt, als Third Ego die Bühne betreten. Ehrlicherweise hatte ich vorher noch nie etwas von der niederländischen Band gehört. Umso schöner die Überraschung: ehrlicher, melodischer Punkrock mit einem angenehmen Hauch Melancholie – Musik, die sofort Erinnerungen an verschwitzte kleine Punkschuppen weckt. Man merkt den Musikern ihre Erfahrung an, vor allem aber ihre sichtbare Lust auf den Gig.
Nach einer kurzen Umbaupause wird es dann ernst: Turbobier betreten, begleitet von herrlich theatralischer Musik – dem Anlass natürlich vollkommen angemessen– die Bühne. Und für mich als notorisch kritische Person beginnen damit die schwersten Stunden des Abends. Denn: Es gibt einfach kaum etwas zu meckern. Von der ersten Minute an liefern Turbobier eine perfekte Mischung aus alten Klassikern und neuen Songs. Und zwar ausschließlich Hits. Das Publikum ist mit der neuen Platte bereits derart vertraut, dass man als Außenstehender kaum unterscheiden könnte, welche Songs längst Kultstatus besitzen und welche gerade erst auf „Das Leben is ein Oaschloch“ erschienen sind. Voller Stolz verkündet Marco Pogo dann, dass das Album direkt auf Platz 3 der österreichischen Charts eingestiegen ist – noch vor Andreas Gabalier. Die Reaktion des Publikums lassen wir an dieser Stelle lieber „unzensiert“ im Raum stehen… Egal ob alleine an der Akustikgitarre oder gemeinsam mit voller Bandbesetzung: Pogo liefert durchgehend ab. Seine Ansagen zwischen den Songs sind dabei genauso stark wie die Musik selbst – trocken, ehrlich, humorvoll und perfekt auf den Punkt. Kein Wort zu viel, keines zu wenig. Im Grunde so, als hätte ich seine Texte geschrieben. Und selbstverständlich kommt er auch der Aufforderung nach, sein Bier zu exen. Menschenfreundlich, wie er nun mal ist. Gut, ein paar Tropfen waren am Ende noch drin – aber immer noch besser, als die Bühne damit zu „dekorieren“.
Die klassische Ansage „Wir spielen jetzt noch zwei Songs“ bedeutet bei vielen Konzerten ja oft die langersehnte Erlösung. Hier war ich allerdings ziemlich froh, dass sich die angekündigte Zugabe nochmal fast eine halbe Stunde zog. Die letzten drei Songs spielte die Band schließlich mitten im Publikum vor der Bühne, bevor Turbobier die Leute mit „Sternderlzeit“ beschwingt tanzend in die beinahe tropisch warme Kölner Nacht entließ. Ich könnte jetzt noch jedes einzelne Lied auseinandernehmen und jedes Detail sezieren – aber eigentlich bleibt am Ende nur eine Empfehlung: Ticket kaufen und selbst erleben. Ein wirklich gutes Konzert erkenne ich übrigens immer daran, dass ich währenddessen kein einziges Mal aufs Handy schaue. Und rückblickend bin ich mir nicht mal sicher, ob ich das Ding überhaupt dabeihatte ![]()
Was bleibt mir als kritischer Mensch also noch zu sagen? Es ist wirklich schwierig. Die einzigen Kritikpunkte sind wohl, dass mir zum einen nicht selbst so ein grandioses Zitat wie „Sodbrennen als Musik“ eingefallen ist, damit irgendwann mal ein Song über meine Rezension geschrieben wird. Und zum anderen, dass es am Merchstand nur Kindershirts mit dem Einhorn „Dursti“ gab. Zitat meiner neunjährigen Tochter: „Da wär mir einfach ein Bier drauf echt lieber gewesen.“ Naja. Beim nächsten Mal kommt sie einfach mit. In diesem Sinne: „Dumm di dumm und Schalala.“
Bericht von Merchy
























