10.04.2026 – Darmstadt, Centralstation

Okay, schwierig. Olli Schulz in der Centralstation Darmstadt. Quasi vor der Tür also. Den fand ich doch früher immer total super. Hab ihn dann aber irgendwann aus den Augen verloren – wofür er wahrscheinlich gar nicht so viel kann. Mir gingen irgendwann Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf so dermaßen auf den Sack, weil sie gefühlt überall gleichzeitig stattfanden und einen von jeder Litfaßsäule angrinsten. Klar, fand ich auch mal witzig, aber irgendwann einfach zu viel. Herr Schulz mischte da ja eine Zeit lang auch mit (oder tut er das immer noch?) – und damit war mein Interesse dann auch erstmal weg. Alle in einen Sack, ihr wisst schon.

Mareike ruft an und befiehlt, Tickets zu besorgen. Überredet! Ist ja ein Sitzkonzert, also pünktlich zum Verkaufsstart am Rechner, um gute Plätze zu ergattern. Denkste! Server überlastet, zwischendurch schon als ausverkauft betitelt. What? Ich wollte doch gar nicht Metallica in der Centralstation sehen – es geht doch hier um den vermeintlich kleinen Olli? Okay, scheinbar ist er in der Zeit, in der ich ihn nicht mehr live gesehen habe, doch ein gutes Stück größer geworden. Ich krieg’s nicht mehr exakt zusammen, aber das müsste damals so um 2010 gewesen sein – in der alten Räucherkammer vom Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden. Google hilft mir da auch nicht weiter. Sei ihm gegönnt. Vor allem, weil meine Tickets mit genug Geduld und Gewalt dann doch noch im Warenkorb gelandet sind.

In der Halle angekommen, erstmal überrascht gewesen, dass es im oberen Stockwerk noch so einen schönen Saal gibt, in dem ich vorher noch nie war. Die Freude währte aber nur kurz, nachdem wir die Schlange an der Theke gesehen haben. WTF – konnte ja niemand ahnen, dass bei einem ausverkauften Konzert auch Leute was trinken wollen. Naja, ist ja noch eine halbe Stunde Zeit, also hopp. Als noch drei Leute vor uns standen, hieß es plötzlich: kein Getränkeverkauf mehr. Waaas? Wenn ihr noch was wollt, müsst ihr euch unten was holen, die Veranstaltung beginnt jetzt. Argh. Wo sind wir denn hier gelandet? Zwei Stunden Sitzkonzert mit trockener Kehle? Vielen Dank auch!

Jetzt musste Olli aber wirklich liefern, um den Abend noch zu retten. Und fuck – das tat er auch. Ganz nach meinem Geschmack fing er erstmal mit Meckern an. Also exakt so wie hier, nur dass er sich über seine Bahnanreise ausgelassen hat. Sein Plan, die Tour umweltfreundlich mit dem Zug zu machen, wurde direkt wieder begraben. Ab morgen fährt er Auto. So pointiert und auf den Punkt seine Songs auch sind – zwischen den Liedern verliert er gerne mal den Faden. Macht das Ganze natürlich eher sympathischer. Sein Versprechen, später nochmal auf die Mutter vom Gleis am Frankfurter Hauptbahnhof zurückzukommen, hat er leider nicht eingelöst.

Eigentlich ist alles wie früher – nur etwas professioneller. Okay, damals musste man nicht durstig daneben sitzen, aber irgendwas ist ja immer. Es gab alte und neue Songs, Geschichten aus dem Megapark auf Malle, von den Scorpions, Heidi Klum und was weiß ich noch alles. Manchmal schon leicht erschreckend, mit welchen Leuten er sich so umgibt – aber er kann wenigstens selbst drüber lachen. Bei fast jeder Geschichte denkt man erst: Hat er sich schön ausgedacht. Und dann stellt sich raus, dass sie doch echt war. Oder war das Video mit der 187 Strassenbande am Ende vielleicht doch ein KI-Fake? Alles in allem ein sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Abend, dem ein kühles Getränk in der Hand die Krone aufgesetzt hätte. Und erschreckenderweise muss ich zugeben: Seit diesem Abend bin ich wieder Fan. Olli hat mich wieder. Ist das nicht schön? Ach schön … ich würde fast von Romantik sprechen.
