D.I.Y. (2025)

Ich könnte mich immer nur aufregen. Nicht mehr nur aufgrund der politischen Weltlage, nein, so langsam geht mir wirklich alles auf den Sack! Warum zum Beispiel werft ihr nicht all eure Alben aus dem Fenster, wenn ihr doch mit „Melodien für Millionen“ die besten Songs kompakt auf einem Tape haben könnt? Wenn ihr dieses Album besitzt, braucht ihr auch keine andere Musik mehr zu kaufen. Was würde das an Geld und Ressourcen sparen! Scheiß Spotify wäre innerhalb von zwei Wochen pleite! Aber nee, die meisten von euch werden dieses Meisterwerk gar nicht kennen, weil ihr einfach keine Ahnung von guter Musik habt, ihr Ignoranten! Naja, vielleicht liegt’s auch daran, dass dieses Tape nur auf dem letztjährigen „Melodien für Millionen“-Festival in Darmstadt direkt von der Band zu bekommen war – und es ratzfatz keine mehr gab.
Und da könnte ich mich direkt wieder aufregen: Warum spielt man als Band so ein Meisterwerk ein und trägt dann nicht Sorge dafür, dass jeder Mensch in diesem Land die Chance hat, sich das gelb-violette Album ins Regal zu stellen? Okay, vielleicht ist das auch nur eine präventive Maßnahme, denn schon beim ersten Song „Im Wagen vor mir“ hat man das dringende Bedürfnis, sich ein Bier aufzumachen und lauthals mitzusingen. Andererseits: Dieses Land ist eh schon alkoholabhängig – dann doch wenigstens mit guter Musik auf den Ohren. Zum zweiten Song von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung zischt dann auch schon das zweite Bier und bahnt sich zwischen jedem gegröhlten „Ba-Ba-Banküberfall“ den weiten Weg durch die viel zu trockene Kehle. Wenn Olly jetzt hier wäre, würden wir uns die ganze Zeit „Nur Hits“ entgegenbrüllen! Meine Google-Recherche ergab keinen einzigen Treffer zu einem Review dieses Tonträgers, während ansonsten jedes Kack-Album jeder Kack-Band positiv besprochen wird. Wie gesagt: immer nur aufregen! Natürlich würde ich das Album auch nicht hören wollen, wenn da nicht der „Lambada“ drauf wäre – aber Freunde, der ist da drauf!
Ich merke schon wieder, mein Puls ist auf 280. Ich spule direkt zurück und höre mir nochmal „Reif für die Insel“ an. Zur Kassette gibt es übrigens einen Bleistift – die Älteren unter euch wissen, warum. So, los jetzt: Bier auf, Spotify aus, MitGift an! Und ja, natürlich ist mir bewusst, dass die Band eine Coverscheibe nicht einfach öffentlich verkaufen darf, wegen GEMA und bla und blubb … Aber vielleicht könnt ihr die Band ja mal anschreiben, ob sie nicht doch noch irgendwo in einer dunklen Ecke ein Tape für euch auftreiben kann. Hat ja auch was Verbotenes – so wie damals an ein zensiertes „Die Ärzte“-Album zu kommen.
